Informationslogistik

Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST

Informationen zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Bedarfsgerechte Informationen just-in-time

Das Fraunhofer ISST beschäftigt sich im Forschungsschwerpunkt Informationslogistik mit Konzepten und Technologien für eine bedarfsgerechte Informationsversorgung.

Das Ziel der Informationslogistik liegt nicht darin, jede Information für jeden verfügbar zu machen ganz im Gegenteil: Mit Lösungen, die anstelle einer Informationsflut auf intelligente Informationsfilter setzen, soll die richtige Information zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort bzw. auf dem richtigen Medium zur Verfügung gestellt werden. Kurz: Die Grundidee der Informationslogistik ist der Übergang »vom Suchen zum Finden«.

Außer auf individuelle Nutzer lassen sich die Forschungsergebnisse der Informationslogistik auch auf Business Communities und deren Prozessabläufe übertragen. Wichtige Forschungsfragen sind dabei, inwieweit Informationsbedarfe aus Geschäftsprozessen abgeleitet werden können und wie auf Basis von IT die Evolution von Informationsbedarfen in Business Communities (teil)automatisiert ermittelt werden kann. Mit der Beantwortung dieser Forschungsfragen arbeitet das Fraunhofer ISST an der Optimierung des Business Process Managements.

Technologien für ein effizientes Auffinden und Bereitstellen relevanter Informationen helfen also, wertvolle von irrelevanten Informationen zu trennen und mühevolles Suchen zu minimieren. Informationen werden damit »wertvoll« – auch im ökonomischen Sinne. Denn sie minimieren den Rechercheaufwand und erhöhen die verfügbare Zeit für werthaltige Tätigkeiten. Informationslogistische Lösungen stellen also einen Mehrwert dar, in den Nutzer bereit sind zu investieren – von privaten Consumer über Business User bis hin zu gesamten Unternehmen.

 

Perspektiven der Informationslogistik

Eine zentrale Fragestellung, mit der sich das Fraunhofer ISST im Rahmen informationslogistischer Forschungen auseinandersetzt, ist die der Modellbildung und Bestimmung von Informationsbedarfen in spezifischen Situationen. Denn Schwerpunkt einer informationslogistischen Informationsversorgung – zumindest in Szenarien, die auf individuelle Nutzer ausgerichtet sind – ist die Orientierung am persönlichen Bedarf des Nutzers in seiner spezifischen Situation.

Die Lösungen reichen dabei von (a) der direkten Beschreibung von Benutzerbedarfen (explizite Modellierung), über (b) die Beschreibung von Szenarien, die typische Informationsbedarfe eines Nutzers in gegebenen Situationen umfassen (z. B. »Ankunft in fremder Stadt«), bis (c) zur Ableitung von Informationsbedarfen eines Nutzers aus »anderen Informationsquellen« (implizite Modellierung).

Technische Entwicklungen auf Basis der Informationslogistik umfassen unter anderem Systeme, die Benutzerbedarfe kennen und sich in ihrer Versorgung des Benutzers an diesen Bedarfen orientieren (zum Beispiel Digitale Patientenbegleiter) bis hin zu intelligenten  Assistenten, die Bedarfe antizipieren und Situationen prognostizieren (zum Beispiel Unwetter-Frühwarnsysteme). Kern aller Anwendungen sind so genannte Informationslogistik-Engines, die die intelligente Informationsflusssteuerung durchführen. Die Engines sind in der Lage, Informationen aus unterschiedlichen Quellen aufzunehmen und sie mit den Nutzerbedarfen, die in Profilen im System gespeichert sind, abzugleichen.

Die genannten Beispiele und Perspektiven verdeutlichen: Informationslogistik lebt von Informationsnetzwerken – dem Fundus, aus dem Endgeräte ihre Daten beziehen. Die vorhandenen Vernetzungsstrukturen müssen demnach beständig ausgebaut werden. Die nächste große Ausdehnung von Vernetzungsstrukturen wird mit der Einbeziehung technischer Geräte in das Internet erfolgen. Über elektronische Identifizierungselemente wie RFID-Tags (Radio Frequency Identification Tags) wird es möglich, technische Geräte elektronisch zu identifizieren und mit Informationen zu versehen. Damit rücken Objekte der »realen Welt« und der »virtuellen Welt« eng zusammen – das Internet wird zum Netz der Dinge. Durch die schiere Menge der anfallenden Informationen entsteht nicht nur ein riesiges Potenzial für die Informationslogistik, sondern viele Anwendungen sind ohne eine ausgefeilte Informationslogistik schlichtweg nicht möglich.