Transparente Bluttransfusion

Transparente Bluttransfusion - Transfusionssicherheit durch softwaregestützte Identifizierung und Zuordnung

Deutschlandweit werden jährlich über  vier Millionen Blutprodukte benötigt. Neben den positiven Effekten ist eine Bluttransfusion aber immer auch mit Risiken verbunden. So können menschliche Fehler bei der Gewinnung der Prätransfusionsprobe, Fehler bei der Verabreichung des Blutproduktes sowie Fehler bei der Indikationsstellung schwerwiegende Folgen nach sich ziehen. Bisher wird die Zuordnung zwischen einer Konserve und dem Patienten mit Hilfe des Vier-Augen-Prinzips über die visuelle Kontrolle der Patientendaten und Konservenanforderung geregelt. Gerade in Zeiten mit zunehmenden Personalengpässe ist dieses Prinzip jedoch nicht immer umsetzbar.

Daher arbeitet das Fraunhofer ISST an einer Softwarelösung, die nicht nur den Zuordnungsprozess und die Identifizierung von Patient zu Konserve optimieren soll, sondern durch integrierte Warnhinweise auch die Patientensicherheit erhöhen soll. Gesichert durch eine Zugangskennung, unterstützt die mobile Anwendung (App) den Arzt während des gesamten Transfusionsprozesses und macht die Anwesenheit einer zweiten Person damit überflüssig. Das elektronische Erfassen aller mit der Transfusion in Zusammenhang stehenden Daten, wie Art und Anzahl der Konserven, mögliche Nebenwirkungen, Transportzeiten und Indikationsstellungen sowie deren Übermittlung an eine eigens dafür vorgesehene Datenbank unterstützt die lückenlose Dokumentation im Transfusionsprozess.

Durch den Einsatz von „Radio Frequency Identification“, kurz RFID, bei der Zuordnungsprüfung wird die Patientensicherheit bei der Applikation von Blutprodukten und Medikamenten erhöht und Verwechslungen ausgeschlossen. Ähnlich wie beim Barcode-Verfahren können über RFID-Etiketten und –Chips Informationen gespeichert, ein- und ausgelesen werden.

Durch das Unternehmen Schreiner MediPharm werden dazu Verweilkanülen inklusive eines Reservoirs zur Blutentnahme mit einem RFID Tag und einer einmalig vergebenen, fortlaufenden Sicherheitsprüfziffer (SPZ) versehen. Jede Konserve ist einem Auftrag und jeder Auftrag einer SPZ zugeordnet. So kann die Software nachvollziehen, ob die Konserve zu dem Auftrag gehört, der die SPZ des Patienten aufweist. Nur das System weiß, welche Konserve zu welchem Patienten gehört. Somit sind die Patientendaten vor dem Zugriff durch unbefugte Dritte trotz der Verwendung einer mobilen Anwendung geschützt.

Erst wenn die Software erkennt, dass sowohl Konserve als auch Patient übereinstimmen, wird dem Anwender ermöglicht im Menü fortzuschreiten und alle notwendigen Angaben zu machen. Durch diesen Sicherheitsmechanismus, der in der Software integriert ist wird das Risiko des Patienten eine Fehltransfusion zu erhalten wesentlich minimiert.

In einem Pilotprojekt an der Charité Berlin, Campus Benjamin Franklin wird der Einsatz der Software in Verbindung mit der RFID Technologie getestet. Gemeinsam mit Schreiner MediPharm der Schreiner Group GmbH & Co. KG sowie der Pfaff GmbH arbeitet das Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST hier an einem Prototypen.

Dazu werden ausgewählte Ärzte sowie Pflegepersonen mit einem NFC fähigen Mobiltelefon mit der installierten Anwendung ausgestattet.

Projektpartner

  • Charité Berlin - Campus Benjamin Franklin
  • Schreiner Group GmbH & Co. KG
  • Pfaff GmbH