Tranzparenzserver

Echtzeitdiagnose für Krankenhausprozesse

Die Arbeitsabläufe der stationären und ambulanten Patientenversorgung in den rund 2.000 deutschen Krankenhäusern sind sehr komplex und stark arbeitsteilig. Außerdem weisen sie viele Schnittstellen mit internen und externen Organisationseinheiten auf. Denn Behandlungsprozesse werden in Zusammenarbeit einer Vielzahl von Abteilungen wie Stationen, Funktionsbereichen, zentralen Versorgungsabteilungen und Dienstleistern erbracht.

Im Zuge der seit Jahren vorangetriebenen Digitalisierung werden dabei mehr und mehr IT-Systeme eingesetzt. Die angebotenen Softwareprodukte sind meist auf eine bestimmte Berufsgruppe oder einen Krankenhausbereich spezialisiert und somit auf die lokalen Abläufe optimal abgestimmt. Eine abteilungs- oder gar einrichtungsübergreifende Abbildung von Arbeitsabläufen wird jedoch in der Regel nicht realisiert: Stattdessen wird in Krankenhäusern eine Fülle von IT-Systemen verwendet, sodass die IT-Systemlandschaft dort immer mehr fragmentiert. Nicht selten führt das zu Problemen. Ein Beispiel: In der Regel weiß das IT-System im OP-Saal nicht, ob eine Patientenaufklärung vorliegt oder ein für die Operation benötigtes Implantat bereit liegt, da es nicht auf Patientenakte oder Materialwirtschaftssystem zugreifen kann. Eine regelbasierte Verknüpfung der Systeme, könnte im Vorfeld ausschließen, dass ein solches Versäumnis erst spät, oder im schlimmsten Fall gar nicht, auffällt.

Es besteht daher der Bedarf nach einem IT-Produkt, das die einzelnen Informationsinseln im Krankenhaus intelligent zusammenführt. Eine solche Lösung entwickelt das Fraunhofer-Institut für Software und Systemtechnik ISST mit dem sogenannten Transparenzserver. Diese Middlewaretechnologie soll Krankenhäusern helfen, Daten intelligent zu nutzen, um Prozesse und Informationen aufzudecken, transparent zu machen und zweckbezogen dem jeweiligen Anwender im Krankenhaus zur Verfügung zu stellen. Dabei analysiert der Transparenzserver die ohnehin zwischen den zahlreichen IT-Systemen ausgetauschten Daten, reichert sie mit weiteren Daten aus Haustechnik (Aufzüge, Sensoren, Lokalisierungssysteme) und medizinischen Geräten an und wertet die Informationen dann regelbasiert aus.

So ermöglicht es der Transparenzserver neben der Erhebung von Kennzahlen, auch Abläufe besser zu unterstützen und Fehler präventiv zu erkennen.

Sind Krankenhausprozesse für herkömmliche Computersysteme schlicht zu komplex und wenig vorhersagbar, kann der Transparenzserver schon vor der Einführung klinischer Pfade in einem Krankenhaus Fehler erkennen und etwa auf die versäumte Aufklärung eines Patienten vor einer Operation frühzeitig hinweisen. Das System wird derzeit als Eigenforschungsprojekt entwickelt und im Hospital Engineering Labor unter Realbedingungen erprobt.

Weitere Informationen: www.hospital-engineering.org