ENAS – EKG aus dem Krankenwagen

ENAS – Das EKG Navigationssystem: Intelligenten Verteilung von EKG-Daten

Der akute Herzinfarkt und die chronische Herzerkrankung belegen weiterhin die ersten Plätze der Todesursachenstatistik in Deutschland. Gemäß den aktuellen Leitlinien internationaler Fachgesellschaften gilt es im Falle eines Herzinfarkts, das verstopfte Herzkranzgefäß mit Hilfe eines Ballonkatheters schnellstmöglich zu dehnen und gegebenenfalls  mit einer Gefäßstütze zu stabilisieren. Die schnelle Intervention erfordert eine optimale Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen dem Rettungsdienst vor Ort und spezialisierten Interventionszentren.

Auf Initiative des Kölner Infarkt Modells (KIM) und in enger Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST in Dortmund sowie dem Universitätsklinikum in Köln wurde das EKG-Navigationssystem (ENAS) entwickelt. Hierbei handelt es sich um ein praxisnahes System, welches über eine  telemetrische Analyse des EKG eine sichere und frühzeitige Diagnosestellung des Herzinfarktes sowie eine Vereinfachung des weiteren Versorgungsprozesses erlaubt und damit die Akutversorgung des Infarktpatienten optimiert.

Sobald der Notarzt die Verdachtsdiagnose eines akuten Herzinfarkts gestellt hat, wird in der Regel die nächstgelegene der insgesamt fünf Interventionskliniken mit 24-stündiger Herzkatheter-Bereitschaft an 365 Tagen im Jahr telefonisch noch vom Einsatzort aus informiert. Die definitive Alarmierung des klinischen Herzkatheter-Teams erfolgt, sobald die EKG-Diagnose sowie die Aufnahmemöglichkeiten (Herzkatheter frei? - Intensivstationsbett frei?) endgültig geklärt sind. Gerade dieser Prozess beansprucht erfahrungsgemäß nicht wenige Minuten des für den Patienten kritischen Zeitintervalls bis zur Wiedereröffnung des verschlossenen Infarktgefäßes.

Das hier beschriebene notfallmedizinische Organisationsmanagement wird durch ENAS nun komplett übernommen. ENAS ermöglicht eine intelligente Verteilung von EKG- und entscheidungsunterstützenden Daten, gemäß informationslogistischer Prinzipien. Hierzu werden wohl bekannte und etablierte Technologien, wie Fax und SMS, eingesetzt, um so eine stabile und verlässliche Kommunikationskette aufzubauen.

Nachdem der Notarzt die Verdachtsdiagnose Herzinfarkt gestellt hat, muss innerhalb von zehn Minuten eine Ableitung des EKG erfolgen, d.h. ein EKG geschrieben werden. Das EKG wird per Knopfdruck an die informationslogistische ENAS-Infarktzentrale gesendet. Hierbei handelt es sich um eine neu entwickelte Software zur Anbindung von EKG-Geräten und zur intelligenten Verteilung von EKG-Anfragen. Anhand eines regelbasierten Systems wird entschieden, welche Interventionsklinik und welche Ärzte innerhalb dieser Klinik die Anfragen erhalten sollen. Hierzu werden die Daten so aufbereitet, dass diese über ein Smartphone abgerufen werden können. Der jeweils diensthabende Arzt kann nun prüfen, ob sich die Verdachtsdiagnose eines akuten Herzinfarkts bestätigt und im Bedarf auch klären, ob die Kapazitäten auf der Intensivstation seiner Klinik frei sind. Für seine Rückantwort an den Rettungswagen genügt eine Bestätigung auf seinem Smartphone-Bildschirm. Die informationslogistische ENAS-Infarktzentrale sendet diese Informationen ohne Zeitverlust an das Rettungspersonal des jeweiligen Rettungstransportwagens (RTW), die – soweit ein akuter Notfall vorliegt – auf schnellstem Weg die entsprechende Klinik ansteuern können.

Die Besonderheit von ENAS ist die Rückbesinnung auf die fachlichen Anforderungen. Aufgrund der geringen technologischen Anforderungen können auch ältere Systeme an die informationslogistische ENAS-Infarktzentrale angebunden werden. Unter Berücksichtigung des kommunalen Kostendrucks müssen also keine Mehrinvestitionen für die Neuanschaffung von Geräten getätigt werden.

Seit dem 1. Februar 2013 befindet sich ENAS in der Pilotierung. Initial wurden hierzu drei Rettungstransportwagen in Köln an das System angeschlossen. Das Universitätsklinikum Köln fungiert im Rahmen dieses Tests als zentrales Interventionszentrum. Zielsetzung ist es zu bewerten, inwiefern ENAS die existierenden fachlichen Abläufe beeinflusst, welche technischen Hürden sich ggf. ergeben und ob die Zeit bis zum Herzkathetereingriff verkürzt werden kann. 

Projektinformation

ENAS – Das EKG Navigationssystem: Intelligenten Verteilung von EKG-Daten