PanDa@IDS

 

Pandemiebezogene Datenspende auf Basis von Datensouveränitätsprinzipien des Medical Data Space

 

Die Versorgung und Forschung in Bezug auf Pandemien setzt in der Retrospektive, in der Akutsituation wie auch in der Prospektive die Verfügbarkeit von Daten der medizinischen Versorgung voraus. Eine longitudinale Betrachtung von Krankheitsverläufen erfordert a) komplexe rechtliche Konstrukte (Ethikantrag, Zweckbestimmung), aber insbesondere die Einwilligung der Patientinnen und Patienten sowie b) Zugangspunkte zu datenerfassenden Endpunkten in der Versorgung sowie Forschung.

Die Datensouveränität der Bürgerinnen und Bürger im Rahmen einer Datenspende wird derzeit nicht sichergestellt. Die Datennutzung ist durch den Einzelnen nicht steuerbar. Dies ist auch aus Sicht der Forschung – z.B. bezogen auf eine Nachnutzung der Daten – fatal.

 



 

Die Herausforderung

Die EU-Kommission fordert »Data for the Common Good«, um zukünftig besser in Pandemiesituationen reagieren zu können. Ohmann et al. (Ohmann et al. 2017) zeigen, dass ein Teilen klinischer Daten für eine zukunftsweisende Forschung unabdingbar ist, wobei aber gerade die rechtlichen Einwilligungen die Forschung vor große Herausforderungen stellen.

Die Datennutzung im Rahmen der Forschung setzt derzeit die Einzeleinwilligung der Probandinnen und Probanden voraus. Das Nationale Steuerungsgremium (NSG) hat für die Medizininformatik-Initiative erste Ansätze einer breiten Einwilligung (»Broad Consent«) erarbeitet, welche jedoch die Nachvollziehbarkeit der Datennutzung konterkarieren. Ploug et al. (Ploug und Holm 2016, 2017) verfolgen deshalb mit dem »Meta-Consent« einen feingranulareren Ansatz unter Einbezug der Datenspendenden. Der aus dem finnischen Raum stammende »MyData-Ansatz« (Hakkila et al. 2016; Poikola et al. 2015) beschreibt einen personalisierbaren Personal Data Storage

 

Unsere Leistung

Zielsetzung des Projekts PanDa@IDS ist es, auf Basis bestehender Lösungsbausteine das Gesamtkonzept für eine vertrauensvolle, selbstbestimmte und nachvollziehbare Datennutzung aufzubauen. Die bestehenden Ansätze sind:

  • Digital Life Journey (Technology Readiness Level (TRL) 4): Die DLJ ist ein Framework, welches Souveränität von Bürgerinnen und Bürgern auf technischer wie organisatorischer Ebene (z.B. Governance) beschreibt und um den Anwendungsfall der Datenspende erweitert wird. (Fraunhofer ISST)
  • Trusted Connector (TRL 7). Connector mit dem derzeit höchsten Sicherheitslevel, welcher einen vertrauensvollen und manipulationsgeschützten Umgang mit Daten sicherstellt. Dieser wird für das Projekt erweitert und in einen höheren TRL überführt. (Fraunhofer AISEC)
  • MYDATA Control Technologies (TRL 8): Führendes Framework für Data Usage Control, welches die Konzepte der International Data Spaces (IDS) technisch umsetzt. Die Policies zur Datennutzung werden um die spezifischen Anforderungen im Umgang mit Gesundheitsdaten erweitert. (Fraunhofer IESE)

 

Das Ergebnis

PanDa@IDS verfolgt das Ziel, die Datenspende zu unterstützen, dabei aber die informationelle Selbstbestimmung und Transparenz für die Datenlieferanten zu gewährleisten. Dies bedeutet, Art und Umfang der Datennutzung vor Herausgabe der Daten festzulegen und die Datennutzung im Nachgang nachvollziehen zu können. Hierzu setzen die Fraunhofer-Institute AISEC, IESE und ISST als Beteiligte der International Data Spaces auf das Konzept der Datensouveränität, um

  • eine Nutzung unter Einhaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen zu gewährleisten,
  • die Datenverfügbarkeit zu verbessern und
  • dabei Transparenz und Nachverfolgbarkeit für Datenspender zu garantieren.

Das Projekt nimmt Bezug auf die politischen Forderungen im Rahmen des Digitale-Versorgung-Gesetzes (DVG) und des Patientendaten-Schutz-Gesetzes (PDSG) zur Umsetzung der Elektronischen Patientenakte und Sicherstellung der gesetzlich angedachten Datenspende für Bürgerinnen und Bürger.

 

Projektpartner

  • Fraunhofer AISEC
  • Fraunhofer IESE
  • International Data Spaces Association (IDSA)
     

Förderung

  • Fraunhofer-Gesellschaft im Rahmen des Anti-Corona-Prgramms