Digitaler Engel

Die Tätigkeit von Pflegekräften in deutschen Krankenhäusern erfordert nicht nur hohe fachliche Kompetenz, sondern gleichzeitig auch eine ausgeprägte individuelle Interaktionsarbeit mit Patient*innen. Zur Gewährleistung einer hochwertigen individuellen Pflege müssen neben Kompetenzen und Persönlichkeitsmerkmalen des Patienten auch dessen Gefühle berücksichtigt werden. Das Wechselspiel zwischen der Arbeit mit den Gefühlen des Patienten und dem Umgang der Pflegepersonen mit ihren eigenen Emotionen ist eine zentrale Aufgabe der Interaktionsarbeit, die jedoch kaum berücksichtigt wird. Die alltägliche Ausübung von Gefühls- und Emotionsarbeit kann bei Pflegenden jedoch zu hoher psychischer Beanspruchung führen, die sich zum Beispiel in erhöhtem Stresserleben, größerer Erschöpfung oder geringerer Arbeitszufriedenheit äußert. Langfristig ist dies mit einem zunehmenden Risiko für psychovegetative Beschwerden und Burnout verbunden. Neben diesen gesundheitlichen Aspekten, wird auch der bereits zunehmende Fachkräftemangel die deutschen Krankenhäuser vor die Aufgabe stellen, die Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte zu verbessern.

 

 

Die Herausforderung

Die Herausforderung des Projekts ist zunächst die genauen Ursachen für die höhere Belastung der Pflegekräfte zu finden. Nur auf diese Weise können geeigneten Maßnahmen entwickelt werden, die die Pflegenden entlasten. Anschließend müssen geeignete Assistenzsysteme gefunden werden, die die Maßnahmen schließlich zu den Pflegenden bringen. Dabei muss insbesondere der klinische Kontext berücksichtigt werden. Eine weitere Herausforderung ist es, den Stresslevel der Pflegenden kontinuierlich zu ermitteln, um die Maßnahmen zu einem geeigneten Zeitpunkt vorzuschlagen.
 

Unsere Leistung

Im Rahmen des Projekts »Digitaler Engel« entwickelt das Fraunhofer ISST eine Plattform (Caring-Environment), die die Pflegekräfte im Alltag unterstützt und mit geeigneten Maßnahmen die Belastung der Pflegekräfte wirksam reduzieren soll. Ein wichtiger Teil der Plattform besteht dabei aus den Algorithmen zur Erkennung von Stress. Diese analysieren die EKG-Daten von Pflegenden und leiten daraus Indikatoren von Stress ab. Anhand der Indikatoren kann die Plattform nun bewerten, wann eine Pflegekraft stark beansprucht ist und über das Assistenzsystem geeignete Maßnahmen vorschlagen.
 

Das Ergebnis

Insgesamt besteht das Ergebnis aus der Plattform (Caring-Environment), den Assistenzsystemen- sowie Methoden und Erkenntnissen, die die starke Beanspruchung von Pflegenden reduzieren soll. Die Caring-Environment analysiert die EKG-Daten der Pflegenden und kann über das Assistenzsystem die erarbeiteten Maßnahmen zu einem geeigneten Zeitpunkt vorschlagen. Darüber hinaus werden neue Erkenntnisse über die Belastung von Pflegekräften gewonnen.
 

Die Partner

  • Fraunhofer IML
  • Fraunhofer ISST
  • Pius-Hospital Oldenburg
  • Ubimax GmbH
  • Leibniz-Institut für Arbeitsforschung
     

Die Förderung

  • Förderer: Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF
  • Förderkennzeichen: 02L18A080
  • Laufzeit: 09/2019-09/2022
 

Das Projekt im Netz

https://www.digitaler-engel.com