EPItect

 

Sensorische Anfallsdetektion

 

Epilepsie zählt zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen weltweit. Charakteristisches Symptom sind wiederkehrende epileptische Anfälle, die für Betroffene und Pflegende sehr belastend sind: Sowohl die Unvorhersehbarkeit der Anfälle, als auch die Bewusstseinsstörungen und der Kontrollverlust über verschiedene Körperfunktionen tragen dazu bei, dass sich die Betroffenen schwerwiegende Verletzungen zuziehen können, die eine Pflege erschweren. Eine rechtzeitige Erkennung der Anfälle kann Pflegende unterstützen und dabei helfen, entsprechende Sicherheitsmaßnahmen für den Patienten zu ergreifen. Neben einer solchen Früherkennung hilft zudem eine genaue Aufzeichnung der Anfälle bei der individuellen Abstimmung der Therapie.

 


 

Die Herausforderung

Ziel des Projekts »EPItect« ist die Entwicklung eines nicht-invasiven Sensorsystems, das die für die Prognose epileptischer Anfälle relevanten Biosignalmuster detektiert. Der Sensor soll von den Patientinnen und Patienten am Ohr getragen werden können. Über mobile Endgeräte werden die Daten ausgewählten Personen zur Verfügung gestellt. So kann bei Bedarf auch das pflegende Umfeld einbezogen werden. Im Projekt werden dazu eigens neue Modelle zur Anfallsdetektion entwickelt. Die Alltagstauglichkeit wird im klinischen und im häuslichen Umfeld evaluiert. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf die Berücksichtigung der datenschutzrechtlichen Bestimmungen gelegt. Basierend auf der Sensorik und der Vernetzungsinfrastruktur werden verschiedene technische Innovationen wie Alarmdienste und eine mobile Begleiter-Lösung umgesetzt. Auf diese Weise wird nicht nur die Pflege epilepsiekranker Menschen verbessert, sondern auch deren Sicherheit, Selbstbestimmung und Lebensqualität erhöht.  

 

Unsere Leistung

Fraunhofer hat unter Berücksichtigung der Nutzerperspektive die Anforderungsanalyse für die technischen Innovationen im Projekt verantwortet. Bei der darauf basierenden Konzeption der IT-Lösungen wurden internationale Standards wie Health Level 7 (HL7) Fast Healthcare Interoperability Resources (FHIR) und Integrating the Healthcare Enterprise (IHE) sowie rechtliche Rahmenbedingungen berücksichtigt. Die sensorbasierte Vernetzungsinfrastruktur wurde zusammen mit der mobilen Applikation für Patient*innen sowie dem für Patienten*innen und informell und professionell Pflegenden entwickelten Portal im Rahmen einer Nutzerstudie mit 40 Patient*innen sowie Angehörigen evaluiert. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf die Entwicklung von Modellen für die Detektion von epileptischen Anfällen auf Basis der im Rahmen des Projektes erhobenen Sensordaten. Es wurden Modelle zur Erkennung von tonisch-klonischen Anfällen auf Basis von Beschleunigungsdaten, Herzrate unter Einsatz der im Rahmen des Projektes erhobenen Sensordaten entwickelt. Zusätzlich wurde untersucht, ob auf Basis von EKG- und PPG-Daten ermittelten Blutdruckschwankungen epileptische Anfälle erkannt werden können.  

 

Das Ergebnis

Mit der entwickelten Vernetzungsinfrastruktur und den IT-Anwendungen für die Vernetzung der beteiligten Akteure im Pflege-/Behandlungsprozess von Patient*innen mit Epilepsie wurde ein erstes Proof-of-Concept für innovative Lösungen zur Detektion von Anfällen und Vernetzung durchgeführt. In der Nutzerstudie mit Patienten und Angehörigen wurde ein starkes Interesse an mobilen Technologien zum Gesundheitsmanagement sowie zur Vernetzung mit den behandelnden Ärzt*innen verzeichnet. In Rahmen einer klinischen Studie mit 200 Proband*innen wurden große Datenmenden zum Trainieren von Modellen zur Anfallsdetektion gesammelt. Die wissenschaftlichen Ergebnisse dazu wurden auf wissenschaftlichen Konferenzen vorgestellt.

 

Partner

  • Uniklinik für Epileptologie Bonn
  • cosinuss° GmbH, München
  • Klinik für Neuropädiatrie der Universität Kiel
  • Norddeutsches Epilepsiezentrum in Schwentinental-Raisdorf

 

Assoziierte Partner  
  • Hochschule für Gesundheit Bochum
  • Epilepsie Bundes-Elternverband e.V. Wuppertal
  • Landesverband für Epilepsie Selbsthilfe Nordrhein-Westfalen e.V.

 

Die Förderung

  • Förderer: Bundesministerium für Bildung und Forschung) im Programm »Pflegeinnovationen zur Unterstützung informell und professionell Pflegender«
  • Förderkennzeichen: 16SV7482
  • Laufzeit: März/2016-08/2019

 

 

Das Projekt im Netz

https://www.epitect.de/

 

Broschüren und Berichte zum Download

Projektinformation

EPITECT –
Sensorische Anfallsdetektion