Digitization in HealthCare

Fraunhofer ISST Jahresbericht 2015 / 2016

Digitales Gesundheitswesen - der Mensch im Fokus

Die Digitalisierung verändert das Gesundheitswesen grundlegend - von den Prozessstrukturen bei Leistungserbringern oder Kostenträgern, neuen Formen der Behandlung und personalisierter Medizin über neue Angebote für Versicherte bis hin zu völlig neuen Formen des Zugangs zu Prävention und Gesundheit für den Einzelnen. Vielfach wird Digitalisierung aus Sicht der Gedankenwelt der Industrie 4.0 gedacht. Komplexe Produktionsstraßen und Produktionsprozesse veredeln einzelne Bauteile hin zu einem ganzheitlichen Produkt. Doch kann auch Gesundheit und Gesundheitsversorgung derart »produziert« werden?

Wohl kaum: Zwar können für einzelnen Teilbereiche Analogien aufgezeigt werden, jedoch steht der Mensch in diesem System stärker im Fokus als in der Industrie 4.0. Das Fraunhofer ISST erforscht deshalb den Einfluss der Digitalisierung auf die zukünftige Gesundheitsversorgung, denn schon heute haben digitale Produkte unser alltägliches Kommunikations- und Informationsverhalten massiv beeinflusst. Warum nicht auch den Arzt per WhatsApp kontaktieren oder Konsile zwischen Ärzten darüber abbilden?

Gesundheitsdaten besitzen – egal ob erster oder zweiter Gesundheitsmarkt – einen hohen Personen- oder sogar Patientenbezug. Der hieraus resultierende Schutzbedarf muss gewährleistet werden. Das Fraunhofer ISST forscht deshalb an sicheren Infrastrukturen, die dem Kommunikationsbedarf auf der einen Seite und dem Datenschutz auf der anderen Seite Genüge tun. Mobile Apps, Smart Devices und Co. spielen in den aufkommenden Infrastrukturen eine entscheidende Rolle und sind ebenso Teil der Forschung wie auch datenverarbeitende Komponenten. Ein konsequenter digitaler Datenfluss unterstützt Therapien, um das Therapieangebot individuell an den Patienten anpassen zu können. Gleichwohl sind die großen Datenmengen – Big Data – nur noch schwer durch Menschen alleine verarbeitbar. Deshalb werden durch die Abteilung »Digitization in HealthCare« Methoden erarbeitet, um aus den heterogen verteilten Daten entscheidungsunterstützende Informationen ableiten zu können. Zielsetzung ist es, Menschen in ihren Prozessen zu unterstützen.

Gleichermaßen ist der Mensch auch ein kritischer Faktor im Prozess der Digitalisierung. Nicht jeder ist ein »digital native« – groß geworden mit Smartphone und Co. Die Einführung und Erschließung digitaler Technologien für das Gesundheitswesen erfordert einen Prozess, der die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einbezieht. Wir sprechen an dieser Stelle von Digitalisierungsstrategien und der Notwendigkeit eines strategischen Innovationsmanagements. Gerade das System Krankenhaus erfragt Migrationspfade hin zum Krankenhaus 4.0 – nur ist selbst der Status 3.0 häufig noch nicht erreicht.

Leuchtturmprojekte aus der Abteilung »Digitization in HealthCare«

Das Super-Krankenhaus in Dänemark: Wie Digitalisierung unterstützende und medizinische Prozesse vereinfachen kann, zeigt das Fraunhofer ISST in Dänemark. Wir begleiten den Standort Aarhus bei der Konzeption und Umsetzung eines auf 320.000 m² umzusetzenden Super-Krankenhauses.

MDK on-top-off-EFA: Gemeinsam mit der Firma RZV hat das Fraunhofer ISST ein Produkt auf Basis der Elektronischen FallAkte, die sog. MDK Prüffallsoftware, entwickelt. Zur Vereinfachung von Prüfverfahren müssen Dokumente nicht mehr papierbasiert ausgetauscht werden, sondern können direkt digital in eine Prüffallakte dem MDK zur Verfügung gestellt werden.

EPItect: Die Digitalisierung im Gesundheitswesen soll nicht nur den Gesundheitswesen Vorteile bringen. Eine maßgebliche Anforderung ist es auch, für eine qualitative und personalisierte Patientenversorgung zu sorgen. Mit dem BMBF geförderten Projekt EPItect (16SV7482) wird die Zusammenführung smarter Devices – hier eine In-Ohr-Sensorik – sowie intersektoraler Kommunikationsstrukturen auf Basis der Elektronischen FallAkte gefördert. Zudem erforscht das Fraunhofer ISST Möglichkeiten zur Prädiktion mithilfe prädiktiver Analyseverfahren.