Das Fraunhofer ISST in der Fraunhofer-Gesellschaft

Fraunhofer ISST Jahresbericht 2015 / 2016

Die Fraunhofer-Gesellschaft

© Foto Fraunhofer-Gesellschaft

Forschen für die Praxis ist die zentrale Aufgabe der Fraunhofer-Gesellschaft. Die 1949 gegründete Forschungsorganisation betreibt anwendungsorientierte Forschung zum Nutzen der Wirtschaft und zum Vorteil der Gesellschaft. Vertragspartner und Auftraggeber sind Industrie- und Dienstleistungsunternehmen sowie die öffentliche Hand.

Die Fraunhofer-Gesellschaft betreibt in Deutschland derzeit 69 Institute und Forschungseinrichtungen. 24 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, überwiegend mit natur- oder ingenieurwissenschaftlicher Ausbildung, erarbeiten das jährliche Forschungsvolumen von 2,1 Milliarden Euro. Davon fallen 1,9 Milliarden Euro auf den Leistungsbereich Vertragsforschung. Mehr als 70 Prozent dieses Leistungsbereichs erwirtschaftet die Fraunhofer-Gesellschaft mit Aufträgen aus der Industrie und mit öffentlich finanzierten Forschungsprojekten. Knapp 30 Prozent werden von Bund und Ländern als Grundfinanzierung beigesteuert, damit die Institute Problemlösungen entwickeln können, die erst in fünf oder zehn Jahren für Wirtschaft und Gesellschaft aktuell werden.

Internationale Kooperationen mit exzellenten Forschungspartnern und innovativen Unternehmen weltweit sorgen für einen direkten Zugang zu den wichtigsten gegenwärtigen und zukünftigen Wissenschafts- und Wirtschaftsräumen.

Mit ihrer klaren Ausrichtung auf die angewandte Forschung und ihrer Fokussierung auf zukunftsrelevante Schlüsseltechnologien spielt die Fraunhofer-Gesellschaft eine zentrale Rolle im Innovationsprozess Deutschlands und Europas. Die Wirkung der angewandten Forschung geht über den direkten Nutzen für die Kunden hinaus: Mit ihrer Forschungs- und Entwicklungsarbeit tragen die Fraunhofer-Institute zur Wettbewerbsfähigkeit der Region, Deutschlands und Europas bei. Sie fördern Innovationen, stärken die technologische Leistungsfähigkeit, verbessern die Akzeptanz moderner Technik und sorgen für Aus- und Weiterbildung des dringend benötigten wissenschaftlich-technischen Nachwuchses.

Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bietet die Fraunhofer-Gesellschaft die Möglichkeit zur fachlichen und persönlichen Entwicklung für anspruchsvolle Positionen in ihren Instituten, an Hochschulen, in Wirtschaft und Gesellschaft. Studierenden eröffnen sich aufgrund der praxisnahen Ausbildung und Erfahrung an Fraunhofer-Instituten hervorragende Einstiegs- und Entwicklungschancen in Unternehmen.

Namensgeber der als gemeinnützig anerkannten Fraunhofer-Gesellschaft ist der Münchner Gelehrte Joseph von Fraunhofer (1787–1826). Er war als Forscher, Erfinder und Unternehmer gleichermaßen erfolgreich.

Stand der Zahlen: Januar 2017
 

Fraunhofer-Verbund IUK-Technologie

Das Fraunhofer ISST ist Mitglied im Fraunhofer-Verbund IUK-Technologie. Dieser Verbund aller Fraunhofer-Institute aus dem Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien ist die größte IT-Forschungsorganisation in Europa. Vom smarten Mobiltelefon bis zum intelligenten Stromnetz, vom Operationssaal bis zum Assistenzsystem im Auto: der moderne Lebens- und Arbeitsalltag ist ohne Informations- und Kommunikationstechnologie nicht mehr vorstellbar.
Für die IT sind Schnelllebigkeit von Entwicklungen und kurze Innovationszyklen charakteristisch. Deshalb entscheiden schnelles Reagieren und Effizienz noch weitaus stärker als in den meisten anderen Bereichen über die Wettbewerbsfä¬higkeit. Software-Systeme werden zudem immer komplexer – von eingebetteten Systemen in Alltagsgegenständen bis zur Prozessoptimierung für Behörden, von IT-Integration in medizinischen Abläufen über die neuesten Technologien in der Medienindustrie und im produzierenden Gewerbe zur Prozessoptimierung im Finanzwesen. Die Fachkenntnisse haben eine kurze Haltbarkeit und werden ständig aktualisiert.
Der Fraunhofer-Verbund IUK-Technologie hilft in all diesen Fällen als unmittelbarer Ansprechpartner für Unternehmen und Anwender. Wir kennen die Märkte, bieten Know-how, Experten und modernste Technologie, um Unternehmen bei der Bewältigung ihrer Herausforderungen zu unterstützen.
 

Fraunhofer-Allianz Ambient Assisted Living (AAL)

In der Allianz AAL arbeiten 13 Fraunhofer-Institute gemeinsam an AAL- und »Personal Health«-Systemlösungen. Dabei wird ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt, der verschiedene Technologien, Anwendungen und Nutzergruppen integriert, Aktivitäten im Bereich der Forschungskoordination, Geschäftsmodellentwicklung und Standardisierung einbezieht und modulare Systeme aus interoperablen Komponenten ermöglicht. Die Allianz verfolgt das Ziel eines gemeinsamen Systemkonzepts, in das sich Komponenten und (Teil-) Lösungen nahtlos und spontan integrieren lassen. Im Zentrum stehen die Weiterentwicklung von Technologien für Ambient Intelligence (AMI) sowie innovative Konzepte für nutzerspezifische Mensch-Technik-Interaktion, Assistenz und gesundheitliche Betreuung.

Fraunhofer-Allianz Cloud Computing

Die Fraunhofer-Allianz Cloud Computing ist ein Verbund von acht Fraunhofer-Instituten, die sich in Forschungs- und Industrieprojekten mit Cloud Computing und thematisch verwandten Bereichen wie Grid Computing, Utility Computing und serviceorientierten Architekturen befassen. Die Allianz ist eine zentrale Anlaufstelle für Fragen der Vernetzung und optimierten Nutzung von verteilten IT-Ressourcen.
 

Das Fraunhofer-Innovationszentrum für Logistik und IT (FILIT)

© Foto Fraunhofer IML

Um ihre Zusammenarbeit noch weiter zu intensivieren, haben die in Dortmund beheimateten Fraunhofer-Institute für Materialfluss und Logistik IML sowie für Software- und Systemtechnik ISST im Herbst 2014 das »Fraunhofer-Innovationszentrum für Logistik und IT«, kurz FILIT, eröffnet. Ziel ist es, die Entwicklung von informationstechnischen Systemen und Infrastrukturen nach logistischen Bedarfen und Zielen voranzutreiben. Die Arbeiten des Innovationszentrums für Logistik und IT konzentrieren sich auf die Bereiche:

Data Innovation Lab: Daten als strategische Ressource - nicht mehr nur ein Abfallprodukt der Industrie.

Healthcare Innovation Lab: Effektive und effiziente Gesundheitsversorgung im Zuge des demographischen Wandels als Herausforderung für die Zukunft.

Compliance Innovation Lab: Sicherung der Daten und Nachweis dessen - IT-Sicherheit und Compliance Lösungen.
 

Das Fraunhofer-inHaus-Zentrum

© Foto R. Dinkelbach

Im Fraunhofer-inHaus-Zentrum bündelt die Fraunhofer-Gesellschaft die Potenziale von zurzeit vier Fraunhofer-Instituten und zahlreichen Wirtschaftspartnern, um neue Lösungen für Räume und Gebäude sowie deren intelligente Nutzung partnerschaftlich zu entwickeln, zu testen, zu demonstrieren und in den Markt zu bringen. Energieeffizienz durch neue Materialien, durch Gebäudetechnik und -automation, optimierte Office- und Hotelräume, mehr Sicherheit und Assistenz für den Pflegebereich oder »Hospital Engineering« als Entwicklungs- und Testfläche für Krankenhausinnovationen sind Beispiele für inHaus-Aktivitäten. Als Verbindung zum Markt dienen gemeinschaftlich geplante und betriebene Anwendungslabore in den Versuchsgebäuden.
Das Fraunhofer-inHaus-Zentrums zielt darauf ab, gemeinsam mit den späteren Nutzern und Wirtschaftspartnern Systeminnovationen zu entwickeln, die gesellschaftliche Nutzeffekte in Bereichen wie z. B. Energieeinsparung (Energy efficiency), Arbeitsprozessverbesserung und Umweltschutz erzielen und den Industrieunternehmen neue Marktchancen eröffnen. Durch die integrierte Innovationskette von Forschung bis Praxis (inHaus-Pilotprojekte im Markt), werden dabei die Erfolgschancen neuer Entwicklungen ganz entscheidend gesteigert. Wer heute, aber besonders in der Zukunft Gebäude baut, wird das unter ökonomischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen tun, die sich erheblich von denen vor zehn bis 20 Jahren unterscheiden. Die Notwendigkeit von Systemlösungen und damit einem Miteinander der Teildisziplinen wird für die Gebäude der Zukunft von größerer Bedeutung. Am Fraunhofer-inHaus-Zentrum entwickelt man bereits heute integrierte Lösungen für verschiedene Anwendungsbereiche.

Gemeinsame Forschung zu »Hospital Engineering«

Dieser Ansatz lässt sich gut am Beispiel des Hospital Engineering Labors, einer gemeinsamen Initiative der Ruhrgebietsinstitute, verdeutlichen: Das Labor, in dem auf 350 m² Fläche im Fraunhofer-inHaus-Zentrum alle Funktionsbereiche eines Krankenhauses wie beispielsweise Arzt- und Patientenzimmer, OP, Rehabereich, Stationszimmer oder Lagerräume nachgebaut wurden, dient als »Testbed« für technische Innovationen im Krankenhaus. Hier können Anbieter krankenhausnaher Produkte und Dienstleistungen gemeinsam mit anwendenden Krankenhäusern und Fraunhofer neue Systemlösungen erarbeiten, im Labor testen und den potenziellen Anwendern demonstrieren, ohne dass die Krankenhäuser die Innovationen direkt im eigenen, hoch sicherheitskritischen Live-Betrieb einsetzen müssen. Das Labor ist ein Living Lab – die Projekte und Themen werden immer wieder angepasst und erweitert.